Taufe des Herrn (F) – B

  • 1. Lesung: Jes 55, 1-11
  • 2. Lesung: 1 Joh 5, 1-9
  • Evangelium: Mk 1, 7-11
  • Ort: Seminarkirche Sankt Georgen

Predigt:

Predigt Julian Halbeisen, Taufe des Herrn B, 7.1.2018

Heute kommen wir ans Ende der Weihnachtszeit. Und wir feiern die dritte große Epiphanie, in der Gott uns erscheint in der menschlichen Person von Jesus Christus. Die erste Epiphanie war die Geburt des Kindes Jesus im Stall von Bethlehem. Die ersten Besucher waren die Hirten. Sie stehen für die Armen, die Ausgegrenzten, die Sünder, für die Jesus in besonderer Weise gekommen ist. Die zweite Epiphanie waren die weisen Sterndeuter aus dem Osten, die gekommen waren, um dem Neugeborenen Jesus zu huldigen. Sie stehen für alle Völker und Nationen, die dazu eingeladen sind, zum Volk Gottes zu werden, indem sie Jesus Christus als ihren Herrn bekennen. Heute feiern wir die dritte Epiphanie unseres Herrn in Jesus Christus. Die Zeit ist weiter vorangeschritten. Jesus ist nun ein erwachsener Mann, etwa um die 30 Jahre alt. Das Evangelium bringt uns an die Ufer des Jordan, etwas nördlich von Jerusalem, wo Johannes der Täufer in der Wüste lebt. Die Wüste ist in besonderer Weise ein Ort, wo man Gott begegnen kann, doch für Jesus war die Wüste auch ein Ort der Prüfung und der Versuchung. Das Ereignis der Taufe Jesu wird im Evangelium wunderschön beschrieben. Jesus kommt zum Fluss Jordan, um von Johannes dem Täufer getauft zu werden. Als Jesus wieder aus dem Wasser auftaucht und sein Kopf die Wasseroberfläche durchbricht, da öffnet sich der Himmel und Gottes Stimme ruft: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Wir müssen aufmerksam sein für die subtile Bildsprache, die hier verwendet wird, als Jesus physisch das Wasser durchbricht. Während der Schwangerschaft ist ein Kind zunächst gut geschützt in der Fruchtblase. Bei der Geburt wird diese Blase durchbrochen und das Fruchtwasser geht ab. Damit wird die Geburt eingeleitet. Die Taufe Jesu ist ein Bild dafür, dass Jesus neu geboren wird. Als sein Kopf das Wasser des Jordan durchbricht, wird er hineingeboren in ein neues Bewusstsein, das Bewusstsein dafür, dass er sich selbst als Gottes gesegneter und geliebter Sohn begreift. Es ist nicht möglich, Jesus zu verstehen, sein Selbstbewusstsein und seine Vision, ohne diesen Moment der Taufe zu begreifen. Es ist als ob, nach dem Ereignis der Taufe, Jesus für immer, bis zum Ende seines Lebens, diese Stimme seines Vaters in sich hört, die zu ihm sagt: „Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Gefallen gefunden.“ Weil er sich dessen bewusst ist, kann Jesus in jeder Situation des menschlichen Lebens diesen Moment des Gesegnet-seins erkennen. „Gesegnet bist du, wenn du arm bist, wenn du trauerst, wenn du hungrig bist, wenn Menschen dich hassen, wenn du missbraucht wirst, wenn du Verfolgung erleidest.“ Wie kann er so erstaunliche Dinge sagen? Weil er selbst der gesegnete Sohn Gottes ist, kann er andere durch dieses Prisma mit Gottes liebenden Blick ansehen. Der Segen, der ihn bei seiner Taufe berührt hat, prägt seinen Blick für alle Zeit. Bei unserer eigenen Taufe werden viele von uns wahrscheinlich geschlafen haben. Aber so sicher wie diese Worte des Segens über Jesus gesprochen wurden, so wurden sie im Sakrament der Taufe auch über uns gesprochen. Und so wird diese Zusage: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter für uns zu einem Prisma, durch das wir die Welt neu sehen können. Amen.

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