Gründonnerstag

Evangelium: Joh 13, 1-15

Datum: 17.04.2014

Liebe Glaubensgeschwister,

wir haben uns versammelt, um miteinander die Messe vom letzten Abendmahl zu feiern, diese wunderbare Liturgie des Gründonnerstags. Wir sind in eine neue Dynamik eingetreten. Mit dieser Feier heute Abend endet die Fastenzeit. Die 40 Tage der österlichen Bußzeit haben uns geholfen, uns auf die Feier der österlichen Geheimnisse mit erneuertem Herzen vorzubereiten. Wir werden heute und in den kommenden Tagen hier in Sankt Margaret 3 große Liturgien miteinander feiern: den Gründonnerstag, den Karfreitag und die Osternacht. Im Grunde gehören alle 3 zusammen und bilden eine Einheit, die Feier der 3 österlichen Tage, das österliche Triduum. Alle 3 Liturgien wollen uns helfen, das Unbegreifliche zu verstehen: Christus, das Lamm Gottes, das neue Paschalamm, der sich für uns dahingegeben hat. Jede der 3 Liturgien lässt uns diesem Geheimnis näher kommen und hilft uns, seine tiefere Bedeutung zu erfassen. Der Abend des Gründonnerstags führt uns an die Wurzel unserer Sendung als Christen und erinnert uns an unseren Auftrag, den wir in dieser Welt von Christus her bekommen haben.

Heute Abend erinnern wir uns daran, was die Einsetzung der Eucharistie für uns bedeutet. Wir führen uns vor Augen, was Erlösung für uns heißt und wie wir unser Leben gestalten wollen als Jüngerinnen und Jünger Jesu.

Die Eucharistie, die Erlösung durch Christus, der sich als Lamm Gottes, als neues Paschalamm für uns hingibt und schließlich die dienende Nachfolge, ausgedrückt im Dienst der Fußwaschung, diese 3 Themen spiegeln sich in den 3 biblischen Lesungen des heutigen Abends wieder.

Die Exodus-Erzählung mit der Tradition des Pascha-Mahles erinnert uns an den Aufbruch, an die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen, alle kommenden Generationen sollen diesen Tag der Befreiung feiern. So wie Israel das Paschamahl in Aufbruchsstimmung feiert, gegürtet, mit Schuhen an den Füßen, hastig, so sind auch wir als Christen bereit zum Aufbruch, um die Wüste des Todes hinter uns zu lassen, um hinüberzuziehen in das gelobte Land, in das neue Leben mit Christus. Auf unserem Weg durch die Heiligen 40 Tage haben wir uns bemüht, immer mehr frei zu werden, Befreiung zu erfahren aus den eingefahrenen Strukturen und Zwängen, die uns einengen und unfrei machen. Diese Sehnsucht nach Freiheit bringen wir heute Abend mit und legen sie nieder am Altar vor Jesus, um uns von ihm befreien zu lassen.

Paulus berichtet uns die einfachen und doch tiefgehenden Worte Jesu: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Die Eucharistie ist für uns Geschenk und Auftrag zugleich. Und Paulus sagt: Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Jedes eucharistische Mahl ist Verkündigung des Todes des Herrn. Mein Leib für euch, das besagt die Hingabe äußerster Liebe, mit der sich Christus uns schenkt. Und noch mehr. Es heißt „tut dies“ zu meinem Gedächtnis, nicht bloß „empfangt dies“. Wir sind also nicht bloß passiv Empfangende, sondern wir sollen das Geschenkte aktiv weitergeben, damit die Liebe Christi durch uns an anderen weiterwirken kann.

Und dann folgt schließlich der Höhepunkt im Evangelium nach Johannes, die bewegende Szene der Fußwaschung. Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Er erweist ihnen damit seine Liebe bis zur Vollendung. Eine Liebestat, die bei Petrus auf völliges Unverständnis stößt. Er spürt das Unerhörte, dass hinter dieser Geste Jesu steht und kann es deshalb nicht zulassen, diesen Dienst der Fußwaschung an sich geschehen zu lassen.

Jesus erklärt Petrus und den anderen Jüngern den Sinn seines Handelns. Es ist Jesus, es ist Gott selbst, der dies für dich getan hat. Jesus fragt seine Jünger und er fragt auch uns heute: „Begreift ihr, was ich für euch getan habe? Ihr nennt mich mit Recht Meister und Herr, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Das ist das Beispiel, dass uns unser Herr Jesus Christus gegeben hat. Er ist der Größte und Höchste und er wäscht seinen Jüngern die Füße, ein niedriger Dienst der zu seiner Zeit allenfalls den Sklaven zukam. Der Höchste stellt sich zur Verfügung für den niedrigsten Dienst, der Höchste ist bereit für den Dienst an anderen. Die Fußwaschung ist ein Zeichen, ein Symbol für uns. Die Fußwaschung bedeutet: Ich bin euch zu Diensten, ich bin bereit, euch zu dienen. Der demütige Jesus schenkt uns seine Liebe, die wir niemals einholen können. Was heißt das für uns? Auch wir müssen jeden Tag aufs Neue bereit sein, einander die Füße zu waschen. Wir alle müssen bereit sein, Menschen für andere zu werden, bereit sein, uns gegenseitig zu helfen. Manchmal bin ich ärgerlich auf den einen oder die andere, ich spüre Unlust und Widerwillen, wenn er oder sie mich um einen Gefallen bittet. Diese negativen Gefühle dürfen da sein, ich kann sie aufmerksam wahrnehmen, aber dann muss ich sie loslassen und einfach das Nötige tun, um was mich derjenige oder diejenige bittet. Anderen die Füße waschen, anderen helfen, das ist es, was Jesus von uns erwartet. Die Priester werden gleich die Fußwaschung vollziehen an Vertretern der ganzen Gemeinde. Das ist kein Zufall, sondern es sagt etwas ganz wesentliches aus über das Priesteramt. Das Priesteramt ist von seinem inneren Wesen her ein Dienstamt. Den Priestern und allen Amtsträgern in der Kirche darf es nicht um Status, um Macht und Einfluss gehen. Im Mittelpunkt muss immer der Dienst an anderen stehen, das „Ich bin da für euch“, das uns Jesus vorgelebt hat. Das ist ein hohes Ideal und jeder mag selbst beurteilen, inwieweit es uns hier und anderswo in der Kirche gelungen ist, diesem Anspruch gerecht zu werden. Aber als Maßstab dürfen wir den Dienstcharakter des Amtes nicht aus den Augen verlieren, weil es der Maßstab Jesu ist. Aber nicht nur die Priester und Amtsträger, sondern das ganze Volk Gottes, alle getauften und gefirmten Christen sollen bereit sein, einander zu dienen, die uns von Gott geschenkte Liebe aneinander zu vollziehen und zu Menschen für andere werden. In kleinen Schritten wird dadurch unsere Welt verwandelt und das Reich Gottes wächst weiter..

Wir werden jetzt die Zeichenhandlung der Fußwaschung vollziehen, die wir gerade im Evangelium gehört haben. Ich kann mich dabei fragen: „Bin ich wirklich bereit zu dienen und anderen zu helfen?“ Bin ich bereit, mir helfen zu lassen und Gutes an mir einfach anzunehmen und geschehen zu lassen? Denken wir daran. Dann wird das Zeichen der Fußwaschung zu einer Umarmung, mit der uns Jesus ganz nahe kommt und uns an sich ziehen möchte. Denn das ist der wahre Grund, warum Jesus gekommen ist, um uns zu helfen, uns zu dienen und zu retten. Amen.

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