Dreifaltigkeit Lesejahr C

Ort: Deutsche Katholische Gemeinde, London
Datum: 26.05.2013
Bibelstellen: Spr 8, 22-31; Röm 5, 1-5; Joh 16, 12-15

 

Die Kirche feiert am heutigen Tag das Dreifaltigkeitsfest, den Dreifaltigkeitssonntag. Warum widmen wir einen ganzen Sonntag der Frage, wie wir von Gott sprechen können als dem einen Gott in drei Personen: Vater, Sohn, und Heiliger Geist? Manchen von Ihnen wird das sicherlich reichlich abstrakt erscheinen und Sie werden sich fragen: Was haben solche religionsphilosophischen Spitzfindigkeiten mit meinem konkreten Leben als Christin und als Christ zu tun?

Doch der Dreifaltigkeitssonntag lädt uns ein, uns die elementare Grundfrage nach unserer Gottesvorstellung wieder neu zu stellen: Wer ist Gott? Wer ist Gott für mich?

Der schreckliche Mordanschlag in Woolwich vom vergangenen Mittwoch hat deutlich gezeigt, wie wichtig gerade auch der interreligiöse Dialog zwischen Christen und Muslimen ist. Gerade hier wirken sich jedoch die Unterschiede in der Gottesvorstellung aus. Für Muslime ist es nämlich geradezu unverständlich, wie wir Christen von einem Gott in drei Personen sprechen können. Aus ihrer Sicht kann man sich Gott zwingend nur vorstellen als „den Einzigen“, und die christliche Rede von der Dreifaltigkeit Gottes erscheint ihnen als Vielgötterei.

Um auf solche Anfragen angemessen reagieren zu können, ist es für uns als Christen wichtig, zunächst einmal für uns selbst die Frage zu klären: Wer ist Gott, für uns, für mich?

Die Dreifaltigkeit ist keine abstrakte Erfindung von siebengescheiten Theologen. Es ist die Art und Weise, wie wir Gott erfahren, hier und jetzt, in dieser Welt.

Zunächst lernten die Menschen, dass es anstatt vieler Götter nur den einen Gott gibt. Aber dieser Gott verhält sich der Welt gegenüber nicht passiv, sondern er ist an ihr interessiert. Er wendet sich uns Menschen zu. „Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?“, fragt staunend der Beter in Psalm 8. Denken wir an die vielen Geschichten im alten, dem ersten Testament, wo Gott den Menschen nachgeht. Er bietet den Menschen seinen Bund an. Einen Bund der Liebe und Heiligkeit. Eine Liebeserklärung, wie in einem Eheversprechen.

Wie entwickelt sich die Geschichte Gottes mit den Menschen weiter? Nun, Gott wurde abwechselnd verärgert, verletzt, erfreut, mit Füßen getreten, verherrlicht, ignoriert, gepriesen und abgewiesen. Aber Gott bleibt an uns dran und erneuert seinen Bund. Seine Liebe zu uns ist durch nichts zu erschüttern.

Später fanden wir heraus, dass Gottes Wesen immer auch schon einen zweiten Aspekt hatte. Gott ist nicht einsam und allein für sich, wie ein Fels in der Wüste. Von seinem ganzen Wesen her war er schon immer offen für die Beziehung zu anderen. Gott schafft sich „vor aller Zeit“ ein Gegenüber, mit dem er in Beziehung tritt, von dem er selbst auch wieder etwas zurück empfängt. Die heutige erste Lesung aus der Weisheitsliteratur formuliert dies in poetischer Sprache: „Als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.“

Diese „Zweite Person“ ist von Ewigkeit her schon eins mit der „Ersten Person“ Gottes.

Diese zweite Person, dass ewige Wort Gottes, ist Fleisch geworden in Jesus Christus. Ihn kennen wir. Wir, oder doch zumindest seine Jünger, haben ihn gesehen. Jesus war unter uns. Er lachte, weinte, predigte, stieß die Tische der Geldwechsler im Tempel um, er heilte Menschen und war seinen Freunden treu bis zum Ende. „Alles, was der Vater hat, ist mein“. So sagt es Jesus im heutigen Evangelium nach Johannes. Auf diese Weise wissen wir: Jesus ist das Wort und das Wort ist Gott.

Schließlich kam es zu einer dritten Offenbarung über die Dreifaltigkeit Gottes. Ein Hinweis darauf findet sich ebenfalls im heutigen Evangelium: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“. Anders ausgedrückt: Gott ist so groß, dass wir ihn gar nicht fassen können mit unserer Seele. Wir würden platzen, wenn wir Gott auf einen Schlag in seiner ganzen Herrlichkeit erkennen könnten.

Also teilt sich Gott auf andere Weise mit. Er macht sich klein. Er begibt sich auf eine Stufe mit uns. Er wohnt in uns, damit er unseren Verstand leiten kann. Deshalb hat uns Jesus versprochen, den Heiligen Geist auszugießen in unsere Herzen. Das haben wir letzte Woche am Pfingstfest gefeiert.

Jesus sagt uns, dass Gott der Heilige Geist ist: „Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er [der Heilige Geist] nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden“.

Verstehen Sie den Zusammenhang? Alles, was der Vater hat, gehört Jesus als dem Wort Gottes. Alles, was Jesus als Wort Gottes hat, gehört dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist also die dritte Person Gottes. Dieser Geist Gottes nun wohnt in uns und schenkt uns selbst und die ganze Welt zurück an den Vater. Damit ist der Kreis geschlossen.

Welche Bewegung, welche Lebendigkeit ist in einer solchen Gottesvorstellung. Gott ist ein Gott der Beziehung. Er spricht uns an, streckt sich nach uns aus, fließt über, wir schenken uns zurück an ihn. Gott ist fließende Bewegung, eine Dynamik, die sich ständig ändert. Dabei bleibt er aber immer fest verankert in der Liebe, weil Gott selbst die Liebe ist. In diesen Kreislauf der Liebe sind wir mit hineingenommen.

Eine zu abstrakte Antwort auf die Frage: Wer ist Gott für mich? Lassen Sie es mich einfacher sagen. Sie sind mit Leid konfrontiert? Gott lädt ein, dieses Leid heilen zu lassen durch die unendliche Liebe des Vaters durch den Sohn im heiligen Geist. Ihnen fehlt die Hoffnung? Christus, der auferstanden ist, lebt in Ihnen. Sie fühlen sich verlassen? Vertrauen Sie darauf, dass der eine Gott in drei Personen Sie mit seiner Liebe umarmen will. AMEN.

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