3. Sonntag der Osterzeit (B)

Evangelium: Lk 24, 35-48

Datum: 19.04.2015

Der Theologe Edward Schillebeekx sagte einmal über die Auferstehungs-Erscheinungen von Jesus in den Evangelien: „Man kann den auferstandenen Jesus nur dann wirklich sehen, wenn man an den auferstandenen Jesus glaubt. Mit anderen Worten: Bei den Erscheinungen des Auferstandenen bei seinen Jüngern geht es nicht vornehmlich um eine sinnliche Wahrnehmung. Es geht vielmehr um die Frage: Woran kann ich den auferstandenen Christus erkennen? Maria Magdalena trifft am Ostermorgen auf Jesus. Doch sie erkennt ihn nicht und hält ihn für den Gärtner. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus treffen auf Jesus und halten ihn für einen Fremden. Die Sinneseindrücke an sich sind noch keine Auferstehungs-Erfahrungen. Erst wenn der Fremde tatsächlich im Glauben als der Christus erkannt wird, können wir von einem wahren Oster-Ereignis sprechen. Erst wenn wir verstehen, dass uns in den Leidenden, den Unterdrückten, den Hungernden, den Flüchtlingen, den Durstigen, den Gefangenen und den Kranken wirklich Jesus begegnet, können wir mit Recht von Auferstehung reden.

Der Osterglaube ist also nicht die Bestätigung, ein Für-wahr-halten von Dingen, die wir nicht sehen können. Es ist vielmehr der unerhörte, verwirrende, durch nichts zu belegende Anspruch: Der Bettler an der Straßenecke, der Obdachlosen, der Flüchtling, sie alle weisen auf Jesus hin, in ihnen erscheint Jesus, scheint Jesus hindurch. Sie alle sind Ehrenmitglieder im Reich Gottes. Der Osterglaube sagt uns, das Jesus erscheint in den Armen, den Kranken, den Sterbenden, den Ausgeschlossenen und Sündern. Wenn wir ihn dort nicht sehen können, wo sonst sollten wir ihn suchen? Amen.

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