Predigt 2014 (Joh 20)

Predigt zu Pfingsten  2014

Ort: St. Korbinian, München
Datum: 08.06.2014
Bibelstelle: Joh 20:19-23

Wir waren nie in einem Raum mit Jesus oder haben ihn zu seinen Jüngern sagen hören, „Friede sei mit euch“, aber wir spüren deutlich unser tiefes Verlangen nach dem Frieden Gottes. Allzu oft scheint uns der Frieden unerreichbar in der Rastlosigkeit unseres Lebens. Wir sind von Furcht erfüllt, zaghaft, ängstlich halten wir unsere Türen geschlossen, mauern uns ein in uns selbst. Wir leiden darunter, dass die anderen um uns herum, unsere Mitmenschen, fremd geworden sind, sogar unsere Freunde und Familienangehörige, die uns doch eigentlich besonders nahe stehen müssten. Meistens sind es Worte, die uns auseinanderbringen. Ein falsches Wort zur falschen Zeit, Worte, die falsch ankommen, Missverständnisse. Aber der Heilige Geist erfüllt uns und wirkt in uns auf eine Weise, dass wir fähig werden, uns Worte zu schenken, die segnen, heilen und uns daran erinnern, dass wir Gottes geliebte Kinder sind. Vielleicht treffen wir plötzlich jemanden, dem wir sonst immer aus dem Weg gehen, den wir nicht leiden können, vielleicht sogar verachten. Und dann tut er oder sie mir auf einmal etwas Gutes, aus reiner liebe, etwas, dass direkt aus dem Herzen Gottes kommt. Das beschämt und belebt uns zugleich. Wir spüren, wie eine Last von uns abfällt und uns das Herz leicht wird. Solche heiligen Augenblicke sind das Werk des Heiligen Geistes,
Ich glaube, dass ist die Bedeutung des Pfingstfestes, eine mächtige Erfahrung der göttlichen Gnade, die unüberwindliche, uns trennende Hindernisse einfach aus dem Weg räumt, wie zum Beispiel unterschiedliche Sprachen, Kulturen, soziale Unterschiede. Plötzlich können Menschen einander auf neue Weise verstehen. Wenn es darum geht, auf Gott zu hören oder auf die Menschen um uns herum, dann fordert das viel von uns, damit wir unsere Ängste überwinden und den harten Panzer ablegen, hinter dem wir uns verstecken.
An Pfingsten hat Gott die Aufmerksamkeit der Massen auf sich gezogen mit einem lauten, starken Sturm und mit Feuerzungen. Aber Jesus schickt seinen Jüngern den Heiligen Geist auch auf andere Weise, leise und kaum hörbar. Er haucht sie an, damit sie, wie der Heilige Benedikt sagt, die „Ohren ihres Herzens“ öffnen.
Wohin führt das alles, dies Pfingstfest des aufeinander Hörens, dieses Wunder göttlicher Gnade, wo wir mit Fremden plötzlich in ihrer Sprache reden können und auch unseren Freunden noch einmal auf einer tieferen Ebene begegnen, wo wir sie doch bisher schon selbstverständlich zu kennen glaubten.
Ich meine, diese Erfahrung führt uns hin zum Dreifaltigkeitssonntag, den wir in der nächsten Woche feiern. Nur wenn es uns gelingt, Gemeinschaft aufzubauen mit den vielen unterschiedlichen Menschen, denen wir in unserem Leben begegnen, Gemeinschaft gerade auch mit denen, mit denen wir Mühe haben, dann können wir verstehen, was das vollendete Miteinander des dreieinigen Gottes, die Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist bedeutet. So eine makellose, göttliche Verbundenheit ist für uns Menschen unerreichbar, aber die göttliche Dreieinigkeit lässt uns zumindest erahnen, was perfekte Zusammengehörigkeit bedeutet. Vater, Sohn und Heiliger Geist stehen für sich als voneinander verschiedene Personen mit unterschiedlichen Gaben, wirken aber tadellos zusammen als eine Einheit. Mit diesem Modell der göttlichen Dreieinigkeit, der Trinität vor Augen, können wir beginnen, auch unser menschliches Zusammenleben zu verbessern und uns immer mehr bemühen, in Frieden zusammenzuleben in unseren Familien und in unseren Gemeinschaften. Wir können uns öffnen für die unterschiedlichen Gaben, die jeder und jede von uns mitbringt, wir können voneinander lernen und profitieren von den Ansichten anderer, selbst wenn sie sich von unserer Sicht und von unserer eigenen Erfahrung unterscheiden.
Der Frieden, der zu Verständigung führt mag mit einer lauten, blitzartigen Einsicht kommen, oder auch mit einem leisen Hauch des Atems. Immer jedoch, stammt der Friede allein von Gott selbst. Wir bereiten uns darauf vor, den Frieden Gottes anzunehmen, indem wir andere annehmen. So bezeugen wir vor der Welt, dass wir Christus angenommen haben, den Friedensfürst, den Heiland der Welt. Amen.

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