12. Sonntag (A)

Evangelium: Mt 10, 26-33

Datum: 22.06.2014

Jesus sagt im heutigen Evangelium „Fürchte dich nicht“; und dennoch kenne ich in meinem Leben zahlreiche Menschen und Situationen, die bei mir Furcht und Angst auslösen. Ich wünsche mir die Glaubensstärke eines Paulus, bin aber oft doch näher beim Propheten Jeremia aus der heutigen Lesung, der sich am liebsten vor seinem Auftrag drücken würde aus Angst, die Menschen könnten seine Worte missverstehen und ihn verfolgen. Woher kommt diese Ängstlichkeit? Zweifle ich daran, dass Gott mich aus der Bedrängnis, in die ich geraten bin, wieder hinausführen wird? Hat mir Gott denn einen Grund dafür gegeben, zu bezweifeln, dass er mich retten wird? Wo also ist dann das Problem?
Das Problem bin ich selbst und nicht Gott. Gott hat sogar die Haare auf meinem Kopf gezählt und sorgt sich um das Schicksal jedes noch so kleinen Vogels, aber ich führe genau Buch darüber, was in meinem Leben alles schiefgehen kann und schiefgehen wird. Menschen verlieren ihre Arbeit oder ihr Geld. Menschen werden krank. Menschen sterben. Das erscheint mir oft wie eine zwingende Gesetzmäßigkeit. Und dabei vergesse ich, dass allein Gott der Herr über mein Leben, der Herr seiner Schöpfung ist. Jesus erinnert uns daran, dass der sterbliche Leib nicht so wichtig ist wie die Seele und doch kümmern wir uns oft nur um unser körperliches, materielles Wohlergehen, vernachlässigen aber unsere Seele.
Von Zeit zu Zeit aber berührt mich etwas von der frohen Botschaft der Hoffnung, die in Jesus Christus in ´diese Welt gekommen ist. Über alle Zweifel hinweg spüre ich, dass mich diese Botschaft nährt und mich trägt, dass sie wahr ist. Je mehr ich über diese Wahrheit spreche, umso mehr wächst auch die Sicherheit in mir. Wenn ich mein Leben an dieser Botschaft ausrichte, führt sie mich aus aller Ängstlichkeit heraus ins Licht.
Jeremia beichtet von der Bedrohung, in die er geraten ist, weil er Gottes Botschaft gebeten und ungebeten verkündet hat. Was mich an ihm beeindruckt ist, dass er nicht bei seiner Bitterkeit über das Unverständnis der Menschen stehen bleibt. Er gibt nicht einfach seinem Wunsch nach Rache und Vergeltung nach. Er vertraut seine Sache im Gebet Gott an. Schonungslos erzählt er Gott, wie es um ihn steht und vertraut sich ihm an in der Hoffnung auf Hilfe. Von dieser Zuversicht, dass Gott unsere Sache letztlich zum Guten wenden wird, spricht auch Paulus in der zweiten Lesung. Er beschreibt die Realität der Sünde in unserer Welt als die Abwesenheit von Liebe. Und so ist es, aus mangelnder Liebe zu sündigen, geht ganz schnell. Wie oft handeln wir ohne Liebe in unserem Alltag, in unserem Zusammenleben mit Menschen, die uns wichtig sind. Mangelnde Liebe ist uns oft schon zur zweiten Natur geworden. Aber dabei muss es nicht bleiben, sagt Paulus. Denn unsere ursprüngliche Natur ist es, zu lieben, denn wir wurden als liebende Menschen geschaffen durch den, der die ewige Liebe selbst ist. Unsere Fähigkeit, zu lieben und geliebt zu werden, ist manchmal durch die Sünde verdunkelt. Durch Jesus Christus aber, sagt Paulus, besteht die begründete Hoffnung, dass wir ihr wieder den ersten Platz einräumen, dass wir uns mehr von der Liebe bestimmen lassen als von der Sünde.
Beten Sie in der kommenden Woche wie Jeremia. Bringen Sie die dunklen und liebevollen Seiten ihres Herzens vor Gott. Lassen Sie sich von ihm und seiner Mut machenden Botschaft berühren. Amen.

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