3. Sonntag (B)

Evangelium: Mk 1, 14-20
Erste Lesung: Jona 3, 1 – 5.10
Zweite Lesung: 1 Kor 7, 29-31

Datum: 25.01.2015

Das Buch Jonah ist eine lehrhafte Erzählung und kein Geschichtsbuch. Es ist ein wunderbares, unkonventionelles Buch, das sich wahrscheinlich auf eine alte Legende bezieht. Die Geschichte ist gut erzählt. Und sie ist bestens dazu geeignet, um etwas über Gott zu erfahren. Einen Gott, der uns immer wieder aufs Neue überrascht, der uns liebt und der voller Sehnsucht darauf wartet, dass die Menschen umkehren zu ihm und sich Vergebung schenken lassen.

Aber Jonah ist ein unentschlossener Prophet. Er weigert sich, zu den Assyrern zu gehen, die mit Israel verfeindet sind, in die große und mächtige Stadt Ninive. Dort soll er die Menschen zur Umkehr aufrufen. Doch so einfach kann er Gott nicht ausweichen. Im Bauch eines Walfischs gelangt er schließlich nach Ninive. Wiederstrebend gehorcht Jona und wandert durch die Stadt. Eher halbherzig verkündet er, dass der Stadt in 40 Tagen die Vernichtung droht, wenn sie sich nicht bekehrt. Wie der letzte Teil des Buches berichtet, ist Jonah alles andere als begeistert, als die Einwohner Ninives, vom König angefangen bis zum einfachen Volk, sich bereitwillig zum Glauben an Gott bekennen. Sie bitten um Verzeihung für ihre Fehler und als Zeichen ihrer Umkehr gehen sie buchstäblich in „Sack und Asche“. Eine so bereitwillige seiner Prophetenworte ist für Jonah zu viel, denn es steht doch im krassen Gegensatz zu seinem eigenen Verhalten. Er selbst ist ja vor Gott sogar davongelaufen. Jonah wird ein Prophet, der vor Ärger verstummt, so eifersüchtig ist er auf die Bewohner Ninives und ihren überzeugenden Neubeginn mit Gott. Viele kennen vielleicht diese Gefühlslage, in der Jonah jetzt steckt. Es ist nicht leicht, Menschen, die uns verletzt haben, mit denen wir Konflikte haben, Versöhnung zu schenken und sich dann zugleich zu freuen, wenn sich dann bei ihnen wirklich Versöhnung ereignet. Da kommen schnell alte Wunden und Verletzungen wieder hoch.

Vielleicht kennen wir das, diesen Jonah in uns, der sich heimlich ärgert, wenn andere scheinbar mehr von Gott geliebt werden, als wir selbst. Oder wenn jemand, von dem wir insgeheim meinen, er sei viel weiter weg von Gott als wir, uns überrascht mit seiner Liebe und Güte, die wir so nicht erwartet hätten und die uns beschämt dastehen lässt? Gott bleibt ein Gott der Überraschungen, der uns begegnet in unseren Alltagserfahrungen und in unseren Mitmenschen. Unser Auftrag als Jünger Jesu lautet, die frohe Botschaft den Menschen zu verkünden, nicht aber, sich ihnen zu entziehen.

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