15. Sonntag (C)

Predigt: 15. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium: Lk 10:25-37

Ort: St. Korbinian, München

Datum: 14. Juli 2013

 

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist eine von jenen Bibelstellen, die sprichwörtlich geworden sind. Sie sind Teil unserer Alltagskultur. Selbst wer den biblischen Hintergrund nicht oder nicht mehr kennt, der weiß, was ein „guter Samariter“ ist. Ein Samariter, das ist jemand, der sich für völlig fremde Menschen einsetzt, ohne auf den eigenen Vorteil zu sehen. Ein Samariter scheut weder Kosten noch Mühen, damit Menschen in Not geholfen wird.

 

Die Grundbotschaft des Gleichnisses ist uns gut bekannt. Die Liebe zu Gott allein nützt nichts, wenn sie nicht ergänzt wird durch die Liebe zum Nächsten, zu einem ganz konkreten Menschen, nicht mit Worten, sondern mit Taten.

 

Dennoch ist es gut, sich von Zeit zu Zeit an diesen Auftrag Jesu erinnern zu lassen und um Vergebung dafür zu bitten, wo es uns nicht gelungen ist, Gottes- und Nächstenliebe zu verbinden, wenn wir das Wort Gottes hören und über unseren Auftrag als Christinnen und Christen in dieser Welt nachdenken.

 

Aber ich denke die neutestamentliche Lesung des heutigen Sonntags, der große Hymnus an Christus, dem „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“, verweist auf einen weiteren Aspekt des heutigen Evangeliums, eine Sichtweise, die vielleicht weniger bekannt ist.

In der Tradition der Kirchenväter steht der Samariter des Gleichnisses für Christus.

 

Die Menschheit ist verwundet durch die Macht der Sünde. Obwohl das jüdische Gesetz, repräsentiert durch den Priester und den Leviten, dabei helfen kann, Sünde zu vermeiden, so konnte es doch nicht den Schaden heilen, den der Sündenfall der Welt zugefügt hatte. So wie sich der Verletzte nicht selbst helfen kann, so verhindert unsere Verwundung durch die Sünde, dass wir unsere eigene spirituelle Gesundheit, unser Heil, erlangen. Aber wir bekommen Hilfe, mehr, als wir je zu hoffen gewagt hätten.

 

Der Sohn Gottes, der mit dem Vater lebt „vor aller Schöpfung“, überschreitet die Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf. Er nimmt Menschennatur an und wird geboren von der Jungfrau Maria, „um durch ihn alles zu versöhnen, im Himmel und auf Erden, inden er Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.“

 

 

Wenn wir das Gleichnis vom barmherzigen Samariter betrachten als ein Bild für das, was Christus für uns getan hat, wird deutlich: Seine Liebe kennt keine Grenzen. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn  für uns hingab. Obwohl wir ihn durch unsere Sünden zurückgewiesen haben, erneuert Gott seine Freundschaft zu uns. Er hält an seinem Bund fest, indem er es auf sich nimmt, in Jesus Christus unser menschliches Leben zu teilen in aller Armseligkeit, bis hinein in den Tod.

 

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bietet eine weitere Parallele zu Jesus und seiner Liebe zu uns Menschen. Wie Jesus hat der Samariter  Mitleid mit dem, der unter die Räuber gefallen ist. Er setzt alle seine Ressourcen ein, sein Öl, seinen Wein, sogar sein Reittier. Er bezahlt dem Wirt den Gegenwert von zwei Tageseinkommen und steht für alle weitere Kosten gerade.

 

Die Tradition der Kirchenväter sehen hierin ein Bild der Kirche und der Sakramente, die Christus der Kirche anvertraut hat, damit Menschen immer und überall Zugang haben zu seiner heilenden Gegenwart. Wir werden gereinigt im Wasser der Taufe und empfangen den Leib und das Blut Christi als spirituelle Medizin.

 

Das bedeutet, dass alle, die wir getauft sind und zur Gemeinschaft der Kirche als dem Leib Christi gehören, dazu berufen sind, die Liebe Christi in diese Welt zu tragen, in dem unsere Taten die Liebe Jesu zu jedem Menschen widerspiegeln. Dadurch verkünden wir die frohe Botschaft der Erlösung, die Christus durch die Kirche der ganzen Welt darbringt.

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