19. Sonntag (C)

Datum: 10./11.8. 2013         Ort: St. Korbinian, München
Evangelim: Lk 12:32-48      Predigt: 19. Sonnzag im Jahreskreis (C)

 

Wachheit und Lebendigkeit statt Glaubensroutine. Mit diesen Stichworten lässt sich das heutige Evangelium auf den Punkt bringen. Wir kennen das aus dem Wirtschaftsleben. Wenn in einer Firma alle aus der Belegschaft nur Dienst nach Vorschrift machen, wird der gesamte Betrieb letztlich weniger erfolgreich sein, als ein Unternehmen, das die Kreativität und das selbständige Denken seiner Mitarbeiter fördert. In vielen Betrieben gibt es deshalb sogar Prämien für innovative Ideen, die zur Verbesserung der Produkte beitragen.

Gegenüber glaubenden Menschen wird von Kritikern häufig eingewandt, der Glaube sei nur eine fromme Illusion. Menschen stützen sich lieber auf Versprechungen des Glaubens statt auf die kalten und harten Realitäten dieser Welt. Aber dennoch sind die Glaubenswahrheiten nicht so leicht zu erschüttern, und zwar nicht obwohl, sondern gerade weil die Realitäten dieser Welt oft so kalt und hart sind. Bei genauerem Nachdenken zeigt sich, dass der Glaube alles andere als vage ist. Er steht auf dem festen Grund der Geschichte, meisterhaft gebaut auf dem Fundament der Hoffnung und der Liebe von jenen, die vor uns kamen, die Gottes Wort gehört, aufgeschrieben und gelebt haben.

Aber selbst in den frühen christlichen Gemeinden konnte der Glaube mitunter nachlassen, erdrückt  von den Nöten und Sorgen des täglichen Lebens. Die Zeit der Wiederkunft Christi, die Parousia, auf die alle Christen so sehnsüchtig hoffen, geschieht anders als erwartet. Sie ist kein punktuelles Ereignis, sondern sie ereignet sich in der Geschichte Gottes mit uns Menschen, bis zum heutigen Tag.

 

 

Die frühen Christen erkannten: Bis zur Wiederkunft Christi vergeht noch eine lange Zeit. Gottes Zeit. Wie kann ich aber dann in dieser Zeit mein Leben als Christin und als Christ gestalten? Wie kann ich meinen Glauben bewahren angesichts der vielen Anfragen und Zweifel? Das waren die Fragen der frühen christlichen Gemeinden. Es sind aber auch die Fragen von uns heute. Und auf diese Fragen gibt Lukas im heutigen Evangelium eine Antwort.

Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Lukas stellt den unvergänglichen Schatz im Himmel den vergänglichen irdischen Gütern gegenüber. Er ist sich der Gefahr bewusst, dass in der langen Zeit des Wartens auf die Wiederkunft Christi der Glaube an seine Verheißungen müde werden kann. Die Versuchung ist groß, auf vorläufige Güter zu vertrauen, die schon jetzt erreichbar sind, statt Christus an die erste Stelle zu setzen. Lukas ruft dazu auf, genau zu unterscheiden, woran wir unser Herz hängen, wo der wahre Schatz liegt, der uns verheißen ist.

Lukas Idealbild für die, die Jesus nachfolgen sind wache und lebendige Christen, stets bereit zum Handeln und zum Aufbruch, so wie die Israeliten beim Paschamahl.

Ein wacher Glaube ist entscheidend, um am Glauben an den wahren Schatz festzuhalten. Schlafende Jünger, früher und heute, müssen aufgeweckt werden, „denn der Menschensohn kommt zu einer unbestimmten Zeit“. Die Verheißung der Wiederkunft Christi fordert uns heraus. Sie bleibt gültig als Gottes Wort durch die Geschichte hindurch, bis sie sich entfaltet am Ende der Geschichte.

Wir sind nicht allein mit dieser Aufgabe. Alle unsere Schwestern und Brüder im Glauben, die vor uns waren, brauchten dieselbe Wachheit und Treue im Glauben. In ihrem Glauben sind sie Vorbilder für uns.

Im heutigen Gottesdienst feiern wir die Taufe von Mathilda. Als kleines Kind kann sie noch nicht selbst ja sagen zum Glauben, zur großartigen Einladung Gottes in die Gemeinschaft der Glaubenden. Sie ist darauf angewiesen, dass dies andere für sie tun. Vor allem natürlich ihre Eltern, die Paten, aber auch die ganze Gemeinde hier in St. Korbinian. Mit ihrer Hilfe wird sie nach und nach den Glauben mehr und mehr kennenlernen, bis sie dann schließlich einmal selbst auf Gottes Ruf antworten kann und nachvollziehen kann, was wir heute feiern: die Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen.

Damit der Glaube wachsen kann, braucht es glaubwürdige Vorbilder, Zeuginnen und Zeugen des Glaubens.

Liebe Eltern von Mathilda. Als Taufspruch haben sie ausgewählt: Siehe ich bin mit dir und will dich behüten, wohin du auch ziehst. Das erinnert an einen solchen großen Zeugen des Glaubens: Abraham verlässt aufgrund des Glaubens seine angestammte Heimat und zieht in das Gelobte Land. Gott verspricht ihm, dass er ihn auf seiner Reise nicht allein lässt.

Damit beginnt die Geschichte Gottes mit seinem Volk, die sich bis heute fortsetzt.

Bitten wir in dieser Eucharistiefeier für Mathilda, dass Gott sie behütet und beschützt auf ihrem Glaubensweg. Bitten wir aber auch für uns alle, dass Gott aufgrund unserer Taufe unseren Glauben stärkt, damit wir mit wachem und bereitem Herzen die Botschaft vom Reich Gottes in dieser Welt verkünden.

 

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